Samstag, 2. Juli 2011

Sommerlich


der arme, nasse Briefträger
(Bild via Komödienspiele Porcia / Foto Riebler)


"Es ist Sommer", dachte ich trotzig und schlüpfte in meine pistaziengrüne, mit feinen goldglitzernden Steinchen geschmückte Tunika und begab mich in unseren Schlosspark, wo im Springbrunnenteich das Stück "Auf hoher See" von Slawomir Mrozek gespielt wurde.

Zitternd in der eiskalten Abenddämmerung saß ich unter - in Parkas und orange Regenpelerinen gehüllte - klugen Leuten und wurde belohnt mit einer amüsanten Aufführung, in der es um drei in Seenot geratene, höchst hungrige Männer ging; einer von ihnen wurde so stark unter Druck gesetzt,dass er trotz tapferen anfänglichen Aufbegehrens doch so weit manipuliert wurde, dass er es als Ehre ansah, von den anderen gefressen zu werden; auch die zuletzt aufgetauchte Dose von Kalbfleisch mit Erbsen brachte ihn nicht mehr davon ab...

wer gefressen wird, wäscht sich vorher die Füße
(via Komödienspiele Porcia / Foto Riebler)

Das Publikum amüsierte sich auf seine Weise.Ein Mann konnte sich vor Lachen fast nicht mehr halten, als das Opfer ein Telegramm mit der Nachricht vom Tod der Mutter erhielt. Die Nachricht erklärte den Mann zum Waisen, was ihn mit den anderen auf eine soziale Stufe stellte und retten hätte können. Ein anderer Mann hatte ein Taschenbuch mit und versuchte sich am Anfang als Souffleur, wofür er bewundernde Blicke von seiner Frau erhielt!

Gegen Ende der Vorstellung sah ich neben dem Schloss einen Regenbogen, der mich wieder daran erinnerte, dass Sommerzeit ist.
Den Schauspielern wünsche ich von Herzen, dass sie die Spielzeit ohne Verkühlung überstehen; besonders der Briefträger scheint mir gefährdet zu sein, musste er doch wirklich durch den kalten Teich schwimmen, die anderen paddelten ja zu Beginn mit einem Schlauchboot zum Floß hin!

Freitag, 17. Juni 2011

alt und neu


nach einer woche aufenthalt in helsinki würde sogar ich mich in den straßen auskennen...helsinki ist keine große stadt und gerade deswegen pulsierend und modern. in den häuserzeilen stehen massive gebäude mit stark betonten eingangstoren und fantasievollen fenstern. öffentliche gebäude wie das nationalmuseum sind dagegen fast zierlich gebaut mit bunter fassade und mit viel glas.


Montag, 13. Juni 2011

weiße nächte


kaum war ich nach einem besuch der finnischen hauptstadt daheim, erfasste mich der dringende wunsch nach helligkeit und licht-wieder wollte ich unter einem türkisfarbenem himmel stehen, mitten unter glücklichen menschen, die nach einem park strebten, um die erste weiße nacht mit freunden im freien zu verbringen.
am abend unserer ankunft in helsinki, genau gesagt am ersten juni dieses jahres, konnte ich von einem straßencafe aus offenbar alle bewohner der stadt dabei beobachten, wie sie mit glücklichen gesichtern und in bezaubernder sommerlicher kleidung nach 21 uhr unterwegs waren, um die erste helle und warme nacht dieses sommers zu feiern; es war ein nicht endenwollender menschenstrom, eine fröhliche stimmung war zu spüren und brachte auch die touristen zum lächeln...

Sonntag, 30. Januar 2011

wintertime



ich mag den winter sehr-im blauweißen licht zu stehen und alle verzauberungen durch den frost und den raureif zu sehen, tut mir gut.
nicht nur ich brauche diese kühle reinheit, jeder wintersportler bekommt erholung und entspannung in der schneeweißen natur-die ärztin sucht vergessen des leidens aller patienten, der junge journalist entkommt dem ständigen suchen und fragen beim rasanten snowboarden...
mit neuer energie startet man nach einem weekend im kühlen freien in den alltag, neues kann wieder produziert werden.

Mittwoch, 24. November 2010

kleinstadt



eigentlich bin ich ja eine kleinstädterin, tief in meinem herzen sogar eine bäuerin - als eigentliche daseinsform, sozusagen.

aber-nach einem besuch der umwerfenden new york-city-gehöre ich zu den vielen, die da denken: I love New York!

die skyline von manhattan, der broadway mit den musicals aus den fifties und sixties, die subway, in denen ich charakterstudien machen konnte-es hat mich alles begeistert!
das empire-state-building, in das man hinaufgelotst wird wie in eine kathedrale, die vielen ausstellungen, times-square bei nacht-es war überwältigend!

natürlich sehe ich in manhattan keine obdachlosen, keine bettler, aber armut spürte ich schon in den müden blicken und gebeugten gestalten in der metro, armut, wie es sie in jeder großstadt gibt-wie es sie überall gibt, aber vesteckt und verschämt...

aber-über die brooklyn-bridge zu gehen und die wolkenkratzer, die gruppen von mannigfaltigen hochhäusern wirklich zu sehen-das war wunderschön für mich und ich verneigte mich tief vor den wagemutigen und hochbegabten menschen, die dies alles geschaffen haben.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

spätsommer

und eines tages hat sich über nacht der herbst in deinem garten angemeldet. du siehst noch die vereinzelten sommerblüten, doch das laub des russischen weinblatts beginnt sich zu verfärben.

die kaffehäuser füllen sich wieder; man besinnt sich auf seine eigenen vorstellungen und wünsche und zieht sich zurück, ähnlich wie die natur es tut.

was werde ich machen? lesen, handarbeiten, schreiben, ins kaffeehaus gehen?
ich denke nach, ich freue mich auf die zeit nach der gartensaison!

Mittwoch, 25. August 2010

heiligenbildchen


unsere geliebte religionslehrerin in der volksschule, die frau pollack, hat uns immer mit heiligenbildchen belohnt, wenn wir besonders aufmerksam und fleißig und guten willens waren. viele solcher bildchen bekam ich nicht, aber ich bewunderte und liebte sie alle: den grundgütigen herrgott mit allumschließend ausgebreiteten armen und dem gütigen lächeln im altem gesicht, die wunderschöne und liebliche madonna mit dem kind, den heiland mit den dunklen locken und dem demütig geneigten haupt;

und im heurigen jahr traf ich einige der motive wieder auf meinen kurzen busreisen, die ich nach altötting und maria saal unternahm:

so konnte ich ein fresko an der südseite des maria saaler-doms bewundern, das den heiligen christophorus darstellt, den gutgläubigen bootsmann, der das leid der welt auf seine schultern nimmt und seine unbeschwertheit und kraftdabei verliert-wie jeder von uns, der im sog seines umfeldes alle beschwernisse mitträgt und um seinen seelenfrieden kämpfen muss.



ich traf auf das gemälde"ihr kinder der welt, bittet für uns" in der basilika des wallfahrtortes altötting, kinder strecken die arme dem himmel entgegen und bitten reinen herzens um gnade und freude für alle mitmenschen.

mich berührt die unschuld und die gutgläubigkeit der darstellungen in den alten bildern, die die kraft von reinheit der menschlichen seele zeigen; die kraft kommt aus guten gedanken und schönen bildern, die ich aus meinem inneren holen kann.